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Der Beginn einer
Liebe
Mein Kalender bedeutete mir, daß es langsam Zeit wurde,
mich um Weihnachtsgeschenke für meine Freunde und
Verwandten zu kümmern. Ich schenkte gerne. Ich mochte es,
in die beglückten Gesichter zu schauen, die die
Beschenkten beim Auspacken der mit Klebestreifen
überfrachteten Päckchen formten. So wenig ich mit dem
christlichen Glauben anfangen konnte, so sehr mochte ich
Weihnachten. Der Geschenke wegen.
Ich schlenderte also durch die Bochumer Fußgängerzone, um
mich freiwillig von den vorweihnachtlichen
Verkaufspraktiken der Geschäfte begaunern zu lassen. Wenn
man zu Fuß durch das schaurig-kalte Bochum geht, steigt
spätestens nach ein paar hundert Schritten unweigerlich
das Bedürfnis in jedem Fleischesser auf, am berühmten
Bratwursthaus anzuhalten und mindestens eine dieser
herrlich scharfen Currywürste zu verschlingen, die schon
Herbert Grönemeyer vor vielen Jahren besungen hatte. Das
Bratwursthaus ist keineswegs ein steinernes Gebäude,
vielmehr ein fester hölzerner Imbißstand, dessen dünne
Anbauwände aus Kunststoffglas einen geringen Schutz gegen
den rauhen Kohlenpottwind bietet. Die zarten Würste des
Fleischers Dönninghaus, gepaart mit der mächtig scharfen
Sauce, haben einen einzigartigen Geschmack, der bis weit
über die Grenzen Bochums hinaus bekannt ist.
Ich stand also hinter einer dieser Glaswände und
versuchte, mich vor der bissigen Kälte zu verstecken. Auf
dem Abstellbrett vor mir stand meine dampfende doppelte
Currywurst, die ich in vollen Zügen genoß. Zwischendurch
putzte ich mir immer wieder die Nase, die der Mischung aus
winterlichen Temperaturen und scharfer Sauce wie immer
nicht ganz standhielt.
Plötzlich hörte ich hinter mir eine eindeutig weibliche
Stimme.
"Hallo Markus!"
Eine sanfte Hand legte sich auf meine linke Schulter. Es
war Tina!
Einerseits freute ich mich wahnsinnig über diesen Zufall,
andererseits war ich peinlich berührt, denn genau in dem
Moment, als ich sie erblickte, hatte ich gerade zum
kräftigen Durchschnauben der Nase angesetzt, so daß ich
sie anstatt mit einem normalen Hallo mit einem
trompetenartigen Geräusch begrüßte. Sie lachte. Tina hatte
eine wundervolle Lache, leise und doch so herzhaft und
unschuldig...
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